2015 – In der Zeitung gelesen

Rurichs Oldtimerfreunde gut gelaunt auf Achse
Hückelhoven. 90 Teilnehmer waren bei der „Pfingst-Rallye“ der Karnevalsgesellschaft „Rurblümchen“ unterwegs bis Köln-Lövenich. Von Willi Spichartz

Selbst wenn es geregnet hätte, der heiteren Stimmung eines (Auto-)Oldtimertreffs hätte das keinen Abbruch tun können. Und in Rurich erst mal gar nicht, denn die zweite „Pfingst-Rallye“ wird vom örtlichen Karnevalsverein „Rurblümchen“ veranstaltet. Und dessen Vorsitzender Heinz-Georg Bardohl machte die humoristische Heimstatt der Rallye schon in der Begrüßung der mehreren Hundert Teilnehmer und Besucher überdeutlich.

Im Mittelpunkt standen natürlich die Vierradfahrzeuge, von denen man einige mit den Beiworten „Schlitten“ und „Chrom“ in Verbindung bringen konnte und musste – schließlich war die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bei den Autos vor allem dem blitzenden Metall ebenso verschrieben wie ausufernden Kotflügeln von jenseits des Atlantiks. Motorräder waren auch im Wettbewerb.

Gut 90 Autos registrierte das Organisationsteam um Rurblümchen-Geschäftsführer Uwe Sentis, die vom sonnenverwöhnten Ruricher Sportplatz auf eine viereinhalbstündige Reise geschickt wurden, die unter dem Motto stand „Rurich – Lövenich – Lövenich – Rurich“. Um eine Schleich-Rallye mit Prämiierung des langsamsten Fahrzeugs ging es dabei nicht, denn mit Lövenich war nicht der Nachbarort gemeint, sondern auch der gleichnamige Stadtteil von Köln, demnach waren 120 Kilometer zu bewältigen.

Gut gestärkt nach dem gemeinsamen Frühstück gingen die Teilnehmer auf die Reise, deren Fahrzeuge selten über Servo-Lenkung und Bremskraftverstärker verfügen. Gut 30 Leute waren neben Uwe Sentis, Heinz-Georg Bardohl und Moderator Ralf Müller aus den örtlichen Vereinen für den Tag der „Autos mit Charakter“, so ein Teilnehmer, im Einsatz für den Service mit Getränken, Speisen und Livemusik von der Bühne. Kriterien für die Rallye waren die genaue Einhaltung der Zeit, die Dokumentation von „Baumaffen“, Schildern an der Strecke, gefundene Fotos und die Beantwortung von Fragen bei den Streckenposten, so auch am historischen Haus Paland im sterbenden Borschemich. Klar, dass unter den Oldtimern schöne und vor allem rare Exemplare einfuhren.

Als ganz seltenes Modell ragte eine Limousine von 1938 heraus, mit der Eigentümer Johannes Corall aus Brachelen mit seinem Restaurateur Maximilian Nigl nach Rurich gefunden hatte. „Humber“ heißt das Zwei-Tonnen-Gefährt, das hinten mit Fußstützen und Klapptischchen ebenso ausgestattet ist wie mit drei fest montierten Wagenhebern. Bei Nebel kann der Fahrer seine Einzel-Frontscheibe hochdrehen, um bessere Sicht zu haben. Taschenheizungen und Decken mildern den Umstand, dass dieses Schätzchen keine Heizung hat. Das hat im Zweiten Weltkrieg weder den britischen Premier Churchill noch den Oberbefehlshaber Bernard Montgomery daran gehindert, die Fronten mit diesem Modell zu inspizieren. Eine Reihe von Untergebenen war ebenfalls mit dem Gerät unterwegs – eine Version wurde nämlich als Panzerspähwagen produziert.

Quelle: RP – 27. Mai 2015